Der Mann am Schalter

Bei unserem örtlichen Gasanbieter gab es letztens einen Skandal, der für die Energiewirtschaft in der ganzen Republik angsteinflößend sein könnte. Denn ein kleiner Angestellter hatte sein Insiderwissen über die Vorgänge innerhalb des Unternehmens genutzt und in seinem Blog veröffentlicht. Dabei ging es vor allem um illegale Preisabsprachen zwischen den großen Energieversorgern, die auch durch die Presse gegangen waren.

Der selbe Mitarbeiter hat jetzt natürlich einen Haufen Ärger am Hals, schließlich darf man als Mitarbeiter nicht einfach Interna ausplaudern, wie man gerade lustig ist, das ist schon im Arbeitsvertrag verbrieft. Der Mann hatte sich aber zunächst ganz geschickt angestellt. Er hatte neben seiner Arbeit ein Journalismus Fernstudium absolviert und kannte sich daher auch ein wenig mit den Regeln des Presserechts aus. So hat er dann die Informationen über Vorgänge, die auch über seinen Schreibtisch gingen gesammelt, zusätzlich in seiner Freizeit recherchiert und schließlich Artikel geschrieben und veröffentlicht. Dabei hat er sich selbst als “Mitarbeiter der Firma XY” als anonyme Quelle genannt, ganz wie in der Journaille üblich und legitim auch dann noch, wenn Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Grober Schnitzer

Blöd war nur, dass er auf seinem Blog namentlich im Impressum angegeben war, auch hier hatte er ganz konkret nach geltendem Publikationsrecht gehandelt. Allerdings konnte der Zusammenhang so nur allzu leicht von seinem Arbeitgeber hergestellt werden, dessen eigene Pressestelle der Sache, gemeinsam mit der Lokalredaktion in diesem Vorort von Köln, nachging. Bevor also auch die belastenden Papiere und Dokumente an die Presse und damit an die Öffentlichkeit durchgesickert waren, hatte der Mann schon firmenintern genug Druck durch seine Entlarvung bekommen, dass er die brisanten Dokumente wieder aus dem Netz nahm. Ob er weiter in dem Unternehmen arbeiten soll, ist noch nicht sicher. Vielleicht wird er innerhalb des Hauses “strafversetzt” aber als Beamter kann ihm nicht viel mehr passieren. Zu journalistischem Ruhm hat es ihm jedenfalls nicht verholfen.

Eine Antwort zu “Der Mann am Schalter”

  1. Mike sagt:

    Eine Mischung aus Selbsdarstellung und Aufklärungsarbeit, wie sie immer im Hintergrund steht. Eigentlich kann man nur sagen, wenn die Energiewirtschaft solche Absprachen nicht machen würde, könnte sie auch keiner veröffentlichen. Aber insgesamt finde ich es richtig, dass es rausgekommen ist. Ich bin aber auch für Wikileaks insofern. Muss eben jeder selbst entscheiden und die Konzerne sollten sich einfach an so etwas gewöhnen, denn es irgendwann sikert alles durch.

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