Das Leck im Ozean

Vor gut einem Monat ist die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ nach einem Brand und einer Explosion, bei welcher elf Arbeiter ihre Leben verloren, gesunken. Aus dem schadhaften Bohrloch sprudeln jetzt ungehemmt und ungebremst Öl und Gas. Sind die neuesten Versuche, das Leck zu beheben, von Erfolg gekrönt?

Seit über einem Monat ist also noch keine elegante und vor allen Dingen hinreichend effiziente Lösung zur Ausbesserung des defekten Bohrlochs gefunden worden. Der Konzern bemüht sich nun um die Durchführung eines neuen Versuches. Das sollte er auch, denn erstens musste die Küstenwache einräumen, nicht ohne das Know-How des Teibstoff-Unternehmens auszukommen, und zweitens tut die Firma gut daran, sich so engagiert wie möglich in der Schadensbegrenzung zu zeigen, gerät sie doch bereits durch immer neue Meldungen über mögliche Versäumnisse in Verruf. So rief Grünen-Chefin Claudia Roth gestern auf: “Verbraucher sollten durch verantwortungsvolles Kaufverhalten ein Zeichen setzen gegen einen Konzern, der wissentlich niedrigere Sicherheitsstandards in Kauf genommen hat” – was dies im Bezug auf den Umgang mit BP bedeutet, ließ sie offen, doch die Botschaft scheint eindeutig; die Presse deutet die Äußerung einmütig als Boykottaufruf. Des Weiteren hat das Unternehmen durch das Unglück bereits 760 Mio. $ verloren – selbst für einen Global Player wie BP nicht gerade ein Pappenstiel.

Schlamm auf die Pipeline

Der nun angestrebte Versuch, eine größere Katastrophe als die ohnehin schon vorhandene Ölpest zu verhindern, wird unterschiedlich bewertet und ist in dieser Form noch nicht erprobt. Das Verfahren heißt „Top Kill“ und funktioniert wie folgt: das Loch soll dadurch gestopft werden, dass zäher Schlamm durch das Sicherheitsventil, das sich eigentlich von alleine hätte schließen müssen, es aber nicht getan hat, injiziert wird. Es ist allerdings fraglich, ob das Unterfangen von Erfolg gekrönt sein wird, da diese Technik zwar an Land funktioniert, da weder bekannt ist, wie stark das Bohrloch wirklich beschädigt ist, und auch die Auswirkungen, welche das neben dem Öl austretende Gas auf des Schlammes Dichte haben wird.

Imagepflege tut not

BP täte besser daran, sich möglichst schnell und an vorderster Front an einer raschen und effizienten Lösung zu beteiligen. Denn auch in einem Wirtschaftssystem, das auf das Erzielen der größtmöglichen Gewinnspanne ohne Rücksicht auf Verluste ausgelegt ist, gelten neben den vielen komplexen auch ein paar ganz einfache Regeln. Wer zum Beispiel eine Immobilie verkaufen will, tut gut daran, wenigstens den Anschein zu erwecken, das Produkt sei einwandfrei. Und ein internationaler Player wie BP muß vor allem auf eines achten: sein Image. Klingt komisch, ist aber so: ein Treibstoffunternehmen verkauft nicht in erster Linie Treibstoff, sondern versucht über sein Image zahlende Kunden anzulocken. Dieses kann natürlich unter einem mangelhaften Produkt leiden – oder darunter, dass Informationen über etwaiges fahrlässiges Verhalten an die Presse geraten.

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